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Orthodoxer Katechismus
1. Wozu
sind wir auf Erden?
Wir sind auf
Erden, um Gott zu lieben und ihm zu dienen.
2. Was
müssen wir tun, um Gott zu lieben?
Um Gott zu
lieben, müssen wir
-
alles
glauben, was Gott geoffenbart hat;
-
alle
Gebote halten, die Gott gegeben hat.
3. Was
heißt an Gott glauben?
An Gott
glauben heißt alles fest und unbezweifelt für wahr halten, was Gott,
der ewige Überwesentliche, geoffenbart hat.
4. Wie
hat sich Gott uns Menschen zu erkennen gegeben?
Gott hat
sich uns Menschen auf zweifache Weise zu erkennen gegeben, auf
natürliche und auf übernatürliche Weise.
5.
Wodurch hat sich Gott auf natürliche Weise zu erkennen gegeben?
-
Gott hat
sich auf natürliche Weise zu erkennen gegeben:
-
durch
die sichtbare Welt, die sich nicht selbst gemacht haben kann;
-
durch
die Zweckmäßigkeit und Ordnung in der Welt, die von einem höchst
weisen Urheber herstammen muß;
-
durch
die Stimme des Gewissens, die uns zum Guten mahnt und vor einem
unsichtbaren Rächer des Bösen warnt.
6.
Wodurch hat sich Gott auf übernatürliche Weise zu erkennen gegeben?
Gott hat
sich durch die Offenbarung auf übernatürliche Weise zu erkennen
gegeben.
7. In
welcher Weise ist die göttliche Offenbarung auf uns gekommen?
Die
göttliche Offenbarung ist teils schriftlich, teils mündlich auf uns
gekommen: schriftlich durch die Heilige Schrift oder Bibel, mündlich
durch die Tradition. Bibel und Tradition sind Quellen des Glaubens.
8. Was
ist die Heilige Schrift?
Die Heilige
Schrift ist die Sammlung jener Bücher, die unter Eingebung des
Heiligen Geistes geschrieben und als Gottes Wort von der Kirche
anerkannt sind.
9. Aus
welchen Büchern besteht das Alte Testament?
Das Alte
Testament besteht:
-
aus 17
Geschichtsbüchern, welche die Erschaffung der Welt, die
Geschichte der Patriarchen und des jüdischen Volkes erzählen;
-
aus 5
Lehrbüchern (didaktischen Schriften), die Sammlungen von
Psalmen, weisen Sprüchen und Lebensregeln sind;
-
aus 17
prophetischen Büchern, die großenteils Weissagungen enthalten.
Die 17
Geschichtsbücher sind: 5 Bücher des Moses, das Buch Josue, das Buch
der Richter, Ruth, 4 Bücher der Könige, 2 der Chronik, Esdras,
Nehemias, Esther.
Die 5
Lehrbücher: Hiob, die Psalmen, die Sprüche, der Prediger oder
Ecclesiastes, das Hohe Lied.
Die 17
prophetischen Bücher: Isaias, Jeremias, Baruch, Ezechiel, Daniel,
Osee, Joel, Amos, Abdias, Jonas, Michäas, Nahum, Habakuk, Sophonias,
Aggäus, Zacharias und Malachias.
Die Bücher:
Tobias, Judith, Weisheit, Jesus Sirach, 3 Bücher der Makkabäer
gelten als deuterokanonisch, deren Lektüre (nach dem hl. Athanasios)
nützlich ist.
10. Aus
welchen Büchern besteht das Neue Testament?
Das Neue
Testament besteht:
-
aus den
4 Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, welche
die Geschichte Jesu erzählen;
-
aus der
Apostelgeschichte des hl. Lukas;
-
aus 14
Briefen vom hl. Paulus und 7 von andern Aposteln, die Glaubens-
und Sittenlehren enthalten;
-
aus der
Apokalypse oder geheimen Offenbarung des hl. Johannes, welche
die Kämpfe und Siege der Kirche vorhersagt.
Die Briefe
des hl. Paulus sind: 1 an die Römer, 2 an die Korinther, 1 an die
Galater, 1 an die Epheser, 1 an die Philipper, 1 an die Kolosser, 2
an die Thessalonicher, 2 an Timotheus, 1 an Titus, 1 an Philemon, 1
an die Hebräer.
Die anderen
Briefe sind: 1 des hl. Jakobus, 2 des hl. Petrus, 3 des hl.
Johannes, 1 des hl. Judas Thaddäus.
11. Was
ist die Tradition?
Die
Tradition ist die mündliche Überlieferung der Kirche. Im Laufe der
Zeit ist die Tradition aber auch schriftlich fixiert worden.
12.
Wodurch hat sich die Überlieferung fortgepflanzt?
Die
Überlieferung hat sich fortgepflanzt sowohl durch den mündlichen
Unterricht als durch die Satzungen und Gebräuche der Kirche und die
Schriften der Heiligen Väter.
Zeugnisse
der kirchlichen Tradition sind:
-
Die
Schriften der apostolischen Väter und der Kirchenlehrer
-
Die
dogmatischen Definitionen der sieben ökumenischen Konzilien
-
Die
orthodoxen Glaubenssymbole:
a) das
nizäno-konstantinopolitanische Symbolum
b) das
athanasianische Symbolum
c) die beiden
Symbola der Bischofsweihe
4. Die
liturgischen Bücher der orthodoxen Kirche
13. Wem hat
Christus die Offenbarung zur unverfälschten Bewahrung und Auslegung
übergeben?
Christus hat
die ganze Offenbarung zur unverfälschten Bewahrung und Auslegung
der Kirche übergeben.
14. Ist der
Glaube zur Seligkeit notwendig?
Der Glaube
ist zur Seligkeit unumgänglich notwendig; denn „ohne Glauben ist es
unmöglich, Gott zu gefallen." (Hebr. 11, 6.)
15. Steht es
dem Menschen frei, bloß das eine oder andere von der Lehre Christi
und seiner Kirche anzunehmen?
Es steht den
Menschen nicht frei, nur das eine oder andere von der Lehre Christi
und seiner Kirche anzunehmen; denn
Christus
sagt ohne Ausnahme: „Lehret sie alles halten, was ich euch geboten
habe" (Matth. 28, 20); der hl. Johannes sagt: „Jeder, der nicht in
der Lehre Christi bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre
bleibt, der hat den Vater und auch den Sohn" (2. Joh. l, 9).
Wer von der
Lehre Christi und seiner Kirche nur glaubt, was ihm gut dünkt, der
hat soviel wie keinen Glauben; denn er glaubt nicht Gott, sondern
seiner eigenen beschränkten Einsicht.
16. Wo sind
die wichtigsten Glaubenswahrheiten kurz zusammengefaßt?
Die
wichtigsten Glaubenswahrheiten sind kurz zusammengefaßt im
nizänisch-konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis.
17. Wer ist
Gott?
Gott ist der
unendlich vollkommene Geist, der aus sich selbst von Ewigkeit ist
und Himmel und Erde erschaffen hat.
18. Warum
nennen wir Gott einen Geist?
Wir nennen
Gott einen Geist, weil er Verstand und freien Willen, aber keinen
materiellen Leib hat.
19. Warum
nennen wir Gott den unendlich vollkommenen Geist?
Wir nennen
Gott den unendlich vollkommenen Geist, weil er alle guten
Eigenschaften ohne Maß und Zahl in sich vereinigt.
20. Welches
sind die göttlichen Eigenschaften?
Die
göttlichen Eigenschaften sind: Ewigkeit, Unveränderlichkeit,
Allgegenwart, Unermesslichkeit, Allwissenheit, Weisheit, Allmacht
und Freiheit, Heiligkeit und Gerechtigkeit, Güte, Wahrheit und
Treue.
21. Wie
viele Personen sind in Gott?
In Gott sind
drei Personen: Der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
22. Ist jede
dieser drei Personen wahrer Gott?
Jede der
drei Personen ist Gott: der Vater ist wahrer Gott, der Sohn ist
wahrer Gott und der Heilige Geist ist wahrer Gott. Doch sind alle
drei Personen nur ein Gott.
23. Warum
sind die drei Personen nur ein Gott?
Die drei
Personen sind nur ein Gott, weil alle drei Personen die eine und
einzige göttliche Natur und Wesenheit haben.
24. Warum
nennen wir Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde?
Wir nennen
Gott den Schöpfer des Himmels und der Erde, weil er die ganze Welt,
Himmel und Erde, aus nichts erschaffen hat.
25. Was
wirkt Gott nach der Erschaffung der Welt?
Gott erhält
und regiert die Welt.
26. Welche
Reiche umfaßt die geschaffene Welt?
Die
geschaffene Welt umfaßt drei Reiche:
-
die Geister,
die wir Engel nennen;
-
die
Körperwelt;
-
den
Menschen, der Geist und Körper in sich vereinigt.
27. Was sind
die Engel?
Die Engel
sind Geister, die höhere Erkenntnis und Willenskraft als die
Menschen, aber keinen Leib haben.
Man
unterscheidet nach der Heiligen Schrift neun Chöre der Engel: Engel,
Erzengel, Kräfte, — Mächte, Herrschaften, Oberherrschaften, —
Throne, Cherubim, Seraphim.
28. Welches
ist das vorzüglichste Geschöpf Gottes auf Erden?
Das
vorzüglichste Geschöpf Gottes auf Erden ist der Mensch.
29. Wodurch
hat Gott den Menschen vor allen anderen irdischen Geschöpfen
ausgezeichnet?
Gott hat den
Menschen nach seinem Ebenbilde erschaffen, d. h. ihm natürliche und
übernatürliche Gaben verliehen, die ihn Gott ähnlich machten. (Gen.
l, 26 f.)
30. Wer ist
der von Gott verheißene und gesandte Erlöser?
Der von Gott
verheißene und gesandte Erlöser ist der eingeborene Sohn Gottes,
Jesus Christus, unser Herr.
31. Woher
wissen wir, daß Jesus Christus der Sohn Gottes und wahrer Gott ist?
Daß Jesus
Christus der Sohn Gottes und wahrer Gott ist, wissen wir
-
aus dem
Zeugnis der Propheten;
-
aus dem
Zeugnis des himmlischen Vaters;
-
aus
seinem eigenen Zeugnis;
-
aus dem
Zeugnis der Apostel.
32. Ist
Jesus Christus bloß wahrer Gott?
Jesus
Christus ist nicht bloß wahrer Gott, sondern auch wahrer Mensch.
Gott ist er von Ewigkeit und Mensch ist er geworden in der Zeit.
33. Wie ist
Jesus Christus Mensch geworden?
Jesus
Christus ist durch Wirkung des Heiligen Geistes aus Maria, der
Jungfrau, Mensch geworden.
34. Wie
viele Naturen sind in Jesus Christus?
In Jesus
Christus sind zwei Naturen: die göttliche, weil er Gott ist, und die
menschliche, weil er Mensch ist.
35. Sind in
Jesus Christus auch zwei Personen?
Nein. Jesus
Christus ist nur eine, und zwar göttliche Person, weil die beiden
vollkommenen Naturen in der göttlichen Person unzertrennlich und
unvermischt vereinigt sind.
36. Warum
ist der Sohn Gottes Mensch geworden?
Der Sohn
Gottes ist Mensch geworden:
-
um uns zu
erlösen
-
um uns durch
seine Lehre und sein Beispiel den Weg zum Himmel zu zeigen.
37. Von wem
hat der Sohn Gottes die menschliche Natur angenommen?
Der Sohn
Gottes hat die menschliche Natur von Maria der Immerjungfrau,
angenommen; darum heißt sie auch „Mutter Gottes" oder „Gottesgebärerin".
38. Ist
Jesus wahrhaft gestorben?
Ja. Die
Seele Jesu wurde von seinem Leibe wirklich geschieden. Die
göttliche Person aber ist immer unzertrennlich mit dem Leibe und
mit der Seele vereinigt geblieben.
39. Wohin
ging die Seele Christi nach seinem Tode?
Die Seele
Christi stieg unmittelbar nach seinem Tode in die Unterwelt hinab,
d. h. in jenen Ort, wo die Seelen der verstorbenen Gerechten waren
und die Zeit ihrer Erlösung erwarteten.
40. Was
geschah am dritten Tage nach dem Tode Jesu?
Am Morgen
des dritten Tages nach seinem Tode vereinigte Jesus seine Seele
wieder mit seinem Leib und stand durch eigene Kraft aus dem
verschlossenen Grabe glorreich auf.
41. Woher
wissen wir, daß Christus wirklich auferstanden ist?
Das Christus
wirklich auferstanden ist, wissen wir aus dem Zeugnis seiner Apostel
und Jünger:
-
die Apostel
und Jünger haben ihn nach seiner Auferstehung öfters gesehen, mit
ihm gesprochen und mit ihm gegessen.
-
Sie haben
die Auferstehung Christi überall siegreich verkündigt, dieses
Zeugnis durch Wunder bekräftigt und mit ihrem Tode besiegelt.
42. Was tat
Christus am 40. Tage nach seiner Auferstehung?
Am 40. Tage
nach seiner Auferstehung ist Jesus Christus durch eigene Kraft mit
Leib und Seele in den Himmel aufgefahren.
43. Wann
wird Christus wiederkommen?
Christus
wird am Ende der Welt mit großer Macht und Herrlichkeit
wiederkommen, um alle Menschen zu richten.
44. Wann
wird der Tag des Weltgerichtes kommen?
Der Tag des
Weltgerichtes ist uns unbekannt. „Jenen Tag weiß niemand, auch nicht
die Engel im Himmel, sondern nur der Vater." (Matth. 24, 36.)
45. Wer ist
der Heilige Geist?
Der Heilige
Geist ist die dritte Person in der Gottheit, wahrer Gott mit dem
Vater und dem Sohne.
46. Wann ist
der Heilige Geist der Kirche gesandt worden?
Der Heilige
Geist ist der Kirche am Pfingstfest in sichtbarer Weise gesandt
worden, als er in Gestalt feuriger Zungen auf die Apostel herabkam.
47. Was
wirkt der Heilige Geist in der Kirche?
Der Heilige
Geist lehrt, heiligt und leitet die Kirche in unsichtbarer Weise bis
ans Ende der Welt.
48. Was ist
die Kirche?
Unsichtbar
ist die Kirche der mystische Leib Christi, deren Haupt Christus
selbst ist, sichtbar ist die Kirche die Gemeinschaft aller
rechtgläubigen Christen auf Erden mit ihrer hierarchischen und
kanonischen Ordnung.
49. Wie hat
Christus die Kirche gegründet?
Christus hat
die Kirche gegründet, indem er aus seinen Jüngern die zwölf Apostel
auswählte, ihnen seine Gewalt und Sendung übertrug und am
Pfingstfest den Heiligen Geist sandte.
50. Wer sind
die Nachfolger der Apostel?
Die
Nachfolger der Apostel sind die rechtgläubigen Bischöfe, die
rechtmäßig geweiht sind und in ununterbrochener Reihenfolge ihre
Weihen auf die Apostel zurückführen können.
51. In
welcher Weise regieren die Bischöfe die Kirche?
-
Jeder
Bischof verwaltet sein Bistum;
-
die Bischöfe
einer Provinz, eines Landes oder der ganzen Welt versammeln sich, um
gemeinsam zu beraten und Anordnungen zu treffen. Die Versammlungen
der Bischöfe heißen Konzilien oder Synoden.
Die 7
ökumenischen Konzilien sind:
-
Nizäa I. 325
-
Konstantinopel I. 381
-
Ephesus 431
-
Chalkedon
451
-
Konstantinopel II. 553
-
Konstantinopel III. 680/81
-
Nizäa II.
787
52. Wer sind
die Mitarbeiter der Bischöfe in der Seelsorge?
Die
Mitarbeiter der Bischöfe in der Seelsorge sind die Priester und
Diakone, die rechtmäßig geweiht und von ihrem Bischof zur Seelsorge
bevollmächtigt sind.
53. Was sind
die Aufgaben der sichtbaren Kirche Christi?
Die Aufgabe
der sichtbaren Kirche Christi ist die Führung aller Menschen zum
ewigen Heile.
54. Welche
Kennzeichen hat die von Christus gestiftete Kirche?
Die von
Christus gestiftete Kirche hat vier Kennzeichen. Sie muß sein:
-
einig, weil
Christus nur einen Glauben gelehrt hat;
-
heilig, weil
Christus die Kirche zur Heiligung der Menschheit gestiftet hat;
-
katholisch
oder allgemein, weil Christus die Kirche für alle Zeiten und Völker
gestiftet hat;
-
apostolisch,
weil Christus seine Kirche auf die Apostel gegründet hat.
Die vier
Kennzeichen der Kirche Christi werden im nizänischen
Glaubensbekenntnis genannt: „Ich glaube an die eine, heilige,
katholische und apostolische Kirche."
55. Was
geschieht beim Tode des Menschen?
Beim Tode
des Menschen trennt sich die Seele vom Leibe; der Leib fällt der
Auflösung anheim und kehrt zur Erde zurück.
56. Was
geschieht mit der Seele nach dem Tode?
Jede Seele
wird nach dem Tode gerichtet über alle Gedanken,
Worte und Werke und über die Unterlassung des Guten.
57. Wohin
kommt die Seele nach dem ersten Gericht?
Die Seele
kommt nach dem ersten Gericht in einen Zwischenzustand, der entweder
einen Vorgeschmack des Himmels oder der Hölle gibt. Der Zustand ist
veränderlich, und erst nach dem Endgerichte kommen die Seelen in
den Himmel oder in die Hölle.
58. Was ist
die Hölle?
Die Hölle
ist der „Ort der Qual" (Luk. 16, 28), wo die Verdammten ewig Qualen
erleiden sowie ewig von der Anschauung Gottes ausgeschlossen sind.
59. Worin
besteht die ewige Seligkeit?
Die ewige
Seligkeit besteht in der Anschauung Gottes, d. h. in der innigsten
Vereinigung mit Gott in ewiger Freude und Herrlichkeit.
60. Was ist
ein Mysterium oder Sakrament?
Ein
Mysterium oder Sakrament ist ein sichtbares, von Jesus Christus
eingesetztes Zeichen, wodurch uns unsichtbare Gnade Gottes
mitgeteilt wird.
61. Wieviele
Mysterien oder Sakramente gibt es?
Christus hat
sieben Sakramente eingesetzt:
-
die Taufe,
-
die
Myronsalbung,
-
die
Eucharistie,
-
die Buße,
-
die
Priesterweihe,
-
die Ehe,
-
die
Krankensalbung.
62. Was ist
die Taufe?
Die Taufe
ist jenes Mysterium, in dem der Mensch durch das Wasser und das Wort
Gottes von jeder Sünde gereinigt und in Christus wiedergeboren und
geheiligt wird.
63. Worin
besteht das äußere Zeichen der Taufe?
Der Taufende
taucht den Täufling dreimal unter Wasser und spricht zugleich die
Worte: „Getauft wird der Diener Gottes N. N. im Namen des Vaters,
Amen, des Sohnes, Amen, und des Heiligen Geistes, Amen."
64. Kann die
Wassertaufe niemals ersetzt werden?
Wenn die
Wassertaufe unmöglich ist, kann sie ersetzt werden durch die
Bluttaufe. Die Bluttaufe ist der Martertod um Christi willen.
65. Was ist
die Myronsalbung oder Firmung?
Die
Myronsalbung ist jenes Mysterium, in dem der Getaufte durch
Handauflegung, Salbung und Gebet des Priesters vom Heiligen Geiste
gestärkt wird, damit er seinen Glauben standhaft bekenne und ihm
getreu nachlebe und gegen die Nachstellungen des Satans mit Erfolg
kämpfe.
66. Worin
besteht das äußere Zeichen der Firmung?
Der Priester
legt nach der Taufe dem Firmling die Hand auf, salbt ihn an Stirne,
Augen, Nase, Ohren, Mund, Brust, Händen und Füßen mit dem hl. Myron
und spricht dabei jedes Mal die Worte: „Siegel der Gabe des Heiligen
Geistes, Amen."
67. Was ist
das Mysterium der Eucharistie?
Das
Mysterium der Eucharistie ist der wahre Leib und das wahre Blut Jesu
Christi unter den Gestalten von Brot und Wein.
68. Wann hat
Christus das Sakrament der Eucharistie eingesetzt?
Christus hat
das Sakrament der Eucharistie beim letzten Abendmahl am Vorabend
seines Leidens eingesetzt.
69. Wem gab
Christus den Auftrag und die Vollmacht, Brot und Wein in sein
Fleisch und Blut zu verwandeln?
Mit den
Worten: „Tut dies zu meinem Gedächtnis" gab Christus seinen Aposteln
den Auftrag und die Vollmacht, das nämliche zu tun, was er getan,
nämlich Brot und Wein in sein Fleisch und Blut zu verwandeln.
70. Auf wen
ist die Wandlungsgewalt von den Aposteln übergegangen?
Die
Wandlungsgewalt ist von den Aposteln auf ihre Nachfolger im
Priesteramte, die Bischöfe und Priester, übergegangen.
71. Was ist
die göttliche Liturgie?
Die
göttliche Liturgie ist das immerwährende Opfer des Neuen Bundes, in
dem sich Jesus Christus unter den Gestalten von Brot und Wein seinem
himmlischen Vater durch die Hände des Priesters unblutigerweise
darbringt.
72. Was ist
die heilige Kommunion?
Die heilige
Kommunion ist der Empfang des Leibes und Blutes Jesu Christi.
73. Wer
empfängt die heilige Kommunion unwürdig?
Die hl.
Kommunion empfängt unwürdig, wer wissentlich im Stande der Sünde
kommuniziert.
74. Was ist
das Mysterium der Buße?
Die Buße ist
jenes Mysterium, in dem der Priester an Gottes Statt die Sünden
nachläßt, wenn der Sünder sie herzlich bereut, aufrichtig beichtet
und den festen Vorsatz der Besserung hat.
75. Welches
ist das äußere Zeichen des Bußsakramentes?
Das äußere
Zeichen des Bußsakramentes ist das reumütige Bekenntnis des Sünders
und die Lossprechung des Priesters: „Unser
Herr und Gott Jesus Christus durch die Gnade und Barmherzigkeit
seiner Menschenliebe vergebe dir, mein Kind N.,
alle deine Versündigungen; und ich, der unwürdige Priester, durch
seine mir verliehene Macht vergebe dir und spreche dich los von
allen deinen Sünden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des
Heiligen Geistes. Amen."
76. Auf wen
ist die Gewalt, Sünden nachzulassen, von den Aposteln übergegangen?
Die Gewalt,
Sünden nachzulassen, ist von den Aposteln auf ihre Nachfolger im
Priesteramte übergegangen, auf die Bischöfe und Priester der
rechtgläubigen Kirche.
77. Was
müssen wir tun, um das Bußsakrament würdig zu empfangen?
Um das
Bußsakrament würdig zu empfangen, müssen wir
-
unser
Gewissen erforschen;
-
Reue
erwecken;
-
einen festen
Vorsatz machen;
-
Die Sünden
beichten;
-
Genugtuung
leisten.
78. Was ist
die Krankensalbung?
Die
Krankensalbung ist jenes Mysterium, durch das dem Kranken durch die
siebenmalige Salbung an Stirne, Nase, Wangen, Mund, Brust und Händen
mit heiligem Öle und unter Gebeten von sieben Priestern die Gnade
Gottes zur Wohlfahrt der Seele und des Leibes erteilt wird.
79. Woher
wissen wir, daß Christus die Krankensalbung eingesetzt hat?
Daß Christus
die Krankensalbung eingesetzt hat wissen wir
-
aus den
Worten des hl. Apostels Jakobus (5,14,15): „Ist jemand krank unter
euch, so rufe er die Priester der Kirche zu sich. Diese sollen über
ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn; das Gebet des
Glaubens wird dem Kranken zum Heile sein, der Herr wird ihn
aufrichten, und wenn er Sünden auf sich hat, so werden sie ihm
vergeben werden";
-
aus der
beständigen Lehre der Kirche.
80. Was ist
die Priesterweihe?
Die
Priesterweihe ist jenes Mysterium, in dem das Priesteramt übertragen
und die Gnade erteilt wird, es recht zu verwalten.
81. Worin
besteht die priesterliche Gewalt?
Die
priesterliche Gewalt besteht hauptsächlich in der Vollmacht, die
göttliche Liturgie zu feiern, Sakramente zu spenden, zu weihen und
zu segnen.
Die
Priesterweihe (Chirotonie) hat drei Stufen, die auf göttliche
Einsetzung zurückgehen:
-
die
Diakonatsweihe;
-
die
Priesterweihe;
-
die
Bischofsweihe.
Außerdem
gibt es noch die niederen Weihen (Chirotesie), die von der Kirche
eingesetzt sind und stufenweise zur Priesterweihe vorbereiten.
-
die
Lektoratschirotesie;
-
die
Hypodiakonatschirotesie.
82. Welches
ist das äußere Zeichen der Priesterweihe?
Das äußere
Zeichen der Priesterweihe ist die Handauflegung des Bischofs mit
dem Weihegebet.
83. Wer kann
die Priesterweihe gültig erteilen?
Die
Priesterweihe können nur die Bischöfe gültig erteilen; auf sie
allein ist diese Gewalt von den Aposteln durch die Bischofsweihe
übergegangen.
84. Was ist
die christliche Ehe?
Die
christliche Ehe ist jenes Mysterium, durch das sich christliche
Brautleute zur innigsten Lebensgemeinschaft auf immer verbinden und
die Gnade erhalten, die Pflichten ihres Standes bis in den Tod
getreu zu erfüllen.
85. Woher
wissen wir, daß Christus die Ehe zur Würde eines Sakramentes
erhoben hat?
Daß
Christus die Ehe zur Würde eines Sakramentes erhoben hat, wissen wir
-
aus der
Lehre des hl. Paulus, der die christliche Ehe ein Abbild der
gnadenvollen Verbindung Christi mit seiner Kirche nennt;
-
aus dem
beständigen Glauben der Kirche.
86. Wie wird
die christliche Ehe geschlossen?
Die
christliche Ehe wird geschlossen, indem die Brautleute vor
dem Pfarrer des Trauungsortes und zwei Zeugen erklären, daß sie
einander zur Ehe nehmen, worauf der Priester nach dem
vorgeschriebenen Ritus die Trauung vornimmt.
87. Wozu
dienen die Weihungen der Kirche?
Die
Weihungen der Kirche dienen dazu, Personen oder Sachen bleibend für
den Dienst Gottes oder den frommen Gebrauch der Gläubigen zu
heiligen.
88. Welches
Zeichen gebraucht die Kirche, wenn sie segnet und weiht?
Die Kirche
gebraucht das hl. Kreuzzeichen, wenn sie segnet und weiht.
89. Was
heißt beten?
Beten heißt,
sein Herz zu Gott erheben, um ihn zu loben, ihm zu danken oder ihn
zu bitten; daher der Name Lob-, Dank- und Bittgebet.
90. Was
wirkt das Gebet hauptsächlich?
Das Gebet
-
vereinigt
mit Gott und macht himmlisch gesinnt;
-
stärkt gegen
das Böse und kräftigt zum Guten;
-
tröstet in
Trübsal und hilft in Not;
-
erlangt uns
die Gnade der Beharrlichkeit bis zum Tode.
91. Wann
sollen wir beten?
Wir sollen
oft beten, besonders
-
morgens und
abends, vor und nach dem Essen;
-
in
Versuchungen, Nöten und Gefahren.
92. Genügt
der Glaube allein zur Seligkeit?
Der Glaube
allein genügt nicht zur Seligkeit; wir müssen auch nach dem Glauben
leben, d. h. die Gebote halten.
93. Wie
lautet das Hauptgebot?
Das
Hauptgebot lautet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus
deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen
Gemüte und aus allen deinen Kräften.
Dies ist das
erste und größte Gebot. Ein zweites aber ist diesem gleich: Du
sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Mark. 12, 30f;
Matth. 22, 37ff.)
94. Mit
welchen Worten gebietet Christus die Feindesliebe?
„Liebet eure
Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, betet für die, welche euch
verfolgen und verleumden, auf daß ihr Kinder eures Vaters seid, der
im Himmel ist, der seine Sonne aufgehen läßt über Gerechte und
Ungerechte." (Matth. 5, 44. 45.)
95. Wo ist
das Hauptgebot der Liebe Gottes und des Nächsten ausführlicher
enthalten?
Das
Hauptgebot der Liebe Gottes und des Nächsten ist ausführlicher
enthalten in den zehn Geboten, die Gott am Sinai gegeben hat.
Die zehn
Gebote, auch Dekalog genannt, lauten:
-
Ich bin der
Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.
-
Du sollst
Dir kein Schnitzbild von Götzen machen.
-
Du sollst
den Namen Gottes nicht verunehren!
-
Gedenke, daß
du den Sabbat heiligest!
-
Du sollst
Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe und du lange
lebest auf Erden!
-
Du sollst
nicht töten!
-
Du sollst
nicht ehebrechen!
-
Du sollst
nicht stehlen!
-
Du sollst
kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten!
-
Du sollst
nicht begehren deines Nächsten Weib! Du sollst nicht begehren deines
Nächsten Hab und Gut!
96. Was
lehrt die orthodoxe Kirche von der Verehrung und Anrufung der
Heiligen?
Die
orthodoxe Kirche lehrt, daß es gut und heilsam ist, die Heiligen,
vor allem die allerheiligste Jungfrau und Gottesmutter Maria, zu
verehren und anzurufen.
97. Billigt
die orthodoxe Kirche die Verehrung von gemalten Bildern?
Die
orthodoxe Kirche billigt die Verehrung von gemalten Abbildern
heiliger Personen (Ikonen), da die Verehrung nicht dem toten Stoff,
sondern der abgebildeten heiligen Person gilt.
98. Von wem
hat die geistliche Obrigkeit ihre Gewalt?
Die
geistliche Obrigkeit hat ihre Gewalt von Gott.
99. Was
schuldet der Christ seiner Kirche?
Der Christ
schuldet seiner Kirche religiöse Ehrfurcht und treuen Gehorsam.
100. Wann
erfüllen wir unsere Pflichten gegen den Staat?
Wir müssen
-
der
staatlichen Obrigkeit mit Achtung begegnen und ihren Gesetzen
gehorchen;
-
alle
Pflichten und Lasten auf uns nehmen, die der Ordnung und dem Wohle
des Staates dienen.
101. Welche
Gebote müssen wir Christen außer den Geboten Gottes halten?
Außer den
Geboten Gottes müssen wir Christen auch die Gebote der Kirche
halten. Die Kirchengebote lauten:
-
Du
sollst die gebotenen Feiertage halten.
-
Du sollst an
Sonn- und Feiertagen an der göttlichen Litrurgie teilnehmen.
-
Du sollst
die gebotenen Fasttage halten.
-
Du
sollst wenigstens einmal im Jahre deine Sünden beichten.
-
Du
sollst wenigstens einmal im Jahre die heilige Kommunion
empfangen und zwar in der österlichen Zeit.
102. Warum
müssen wir die Gebote der Kirche halten?
Wir müssen
die Gebote der Kirche halten, weil Christus ausdrücklich gesagt hat:
„Wer die Kirche nicht hört, der sei dir wie ein Heide und
öffentlicher Sünder." (Matth. 18,17.)
103. Wodurch
kommt uns zum Bewußtsein, ob eine Handlung durch das göttliche
Gesetz geboten oder verboten ist?
Ob eine
Handlung durch das göttliche Gesetz geboten oder verboten ist, kommt
uns zum Bewußtsein durch das Gewissen.
104. Ist man
verpflichtet, der Stimme des Gewissens zu folgen?
Das Gewissen
ist die nächste Richtschnur für unser sittliches Handeln; deshalb
darf man niemals gegen das sichere Urteil des Gewissens handeln.
„Bei allen deinen Werken folge treulich deinem Gewissen; denn das
heißt in Gottes Geboten wandeln." (Sir. 32, 27.)
105. Was ist
die Sünde?
Die Sünde
ist die freiwillige Übertretung des göttlichen Gesetzes.
106. Auf
wievielerlei Weise kann man sündigen?
Man kann
sündigen
-
durch
Gedanken, Begierden, Worte und Werke (Begehungssünden);
-
durch
Unterlassung des Guten (Unterlassungssünden).
107. Wann
begeht man eine Sünde?
Man begeht
eine Sünde, wenn man ein Gebot Gottes freiwillig und mit klarer
Erkenntnis übertritt.
108. Welches
ist der Weg zur Vollkommenheit?
Der Weg zur
Vollkommenheit ist die Nachfolge Christi, d. h. ein Leben nach
Christi Wort und Vorbild.
109. Welches
ist die erhabenste Darstellung der christlichen Vollkommenheit?
Die
erhabenste Darstellung der christlichen Vollkommenheit gibt Christus
in den acht Seligkeiten der Bergpredigt, wo er seinen Geist dem
Geist der Welt gegenüberstellt.
Die acht
Seligkeiten (Matth. 5, 3ff.) heißen:
-
Selig
die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Himmelreich;
-
selig
die Sanftmütigen; denn sie werden das Land besitzen;
-
selig
die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
-
selig,
die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden
gesättigt werden;
-
selig
die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen;
-
selig,
die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen;
-
selig
die Friedfertigen; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden;
-
selig,
die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen; denn ihrer
ist das Himmelreich.
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